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23.07.2021

Jugendliche sind mehr als nur Lernende - Ferien starten mit einer Preisverleihung

Mit einer Preisverleihung endete das Pilotprojekt „Jugend in Coronazeiten: Wir werden aktiv“ an der KGS Salzhemmendorf. Fünf Wochen lang setzten die Schüler*innen diverse Aktionen eines Aktionspasses mit dem Ziel um, das Miteinander nach langer Zeit der sozialen Isolation wieder zu stärken.

In Zusammenarbeit der DAK, der Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont und der KGS Salzhemmendorf startete dieses Pilotprojekt. Anliegen aller drei beteiligten Akteure war es, mit kreativen Aktionen soziales Miteinander zu stärken, Bewegung zu fördern und zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Darüber hinaus sollte das gemeinsame Projekt den Wiedereinstieg in den (Schul-)Alltag erleichtern.

Die Corona-Pandemie fordert Schülerinnen und Schüler neben Disziplin und Durchhaltevermögen auch ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Engagement ab. Herausforderungen gab es bei der Organisation von Home-Schooling aber nicht nur für Kinder und Jugendliche, die sich nun ganz neu und selbstständig strukturieren mussten. Auch Eltern, Lehrer*innen und Pädagogische Mitarbeiter*innen mussten organisatorisches Geschick und Flexibilität beweisen. „Die Jugendlichen und Kinder möchten sich gerne einbringen. Allerdings fehlten die Möglichkeiten dazu. Vieles ist auf der Strecke geblieben. So auch die sportliche Aktivität. Um die Jugendlichen wieder in Bewegung zu bringen, war dies auch ein zentraler Inhalt unseres Projektes“, erklärt Christina Müller, didaktische Leitung der KGS Salzhemmendorf.

Neben den Schüler*innen konnten auch Lehrer*innen und Eltern in die Aufgaben des Aktionspasses, der als Leitfaden für die Klassenaktivitäten diente, einbezogen werden. So gab es Aktionen mit den Eltern, wie gemeinsame Spiele- und Kochabende, die das bewusste familiäre Miteinander unterstützen sollten. Aber auch die Lehrer*innen waren dazu angehalten sich nicht nur organisatorisch einzubringen, sondern auch selber an den Aktionen teilzunehmen.

Fünf Wochen hatten die Klassen Zeit, die Aufgaben des Aktionspasses umzusetzen und auf verschiedene Weise festzuhalten (Bilder, Videos, Dokumentationen, Podcasts,…). Der Kreativität in der konkreten Umsetzung waren dabei keine Grenzen gesetzt. Die Klassen traten gegeneinander in den Klassenstufen 5 und 6, 7 bis 9 und 10 bis 12 an. Am 5. Juli traf sich die Jury bestehend aus Vertreter*innen der Planungsgruppe, um die Ergebnisse der Schüler*innen zu sichten und zu bewerten. „Es ist toll zu sehen, mit wie viel Kreativität und Elan die Jugendlichen die Aufgaben umgesetzt haben. Es fiel uns sehr schwer, eine Entscheidung zu treffen“, erinnert sich Kathrin Trompeter von der DAK an den Tag der Auswertungen. Es wurden Schritte gesammelt, Gläser mit positiven Gedanken und Wünschen gefüllt (sog. Glücksgläser), Interviews geführt, Briefe an Heimbewohner*innen geschrieben, Befragungen durchgeführt, Podcasts aufgenommen und vieles mehr.

Die Siegerehrungen am 21. Juli 2021, am letzten Schultag vor den Sommerferien, leiteten Schulleiter Herr Dr. Koops und Landrat Dirk Adomat mit aufbauenden Worten an die Schüler*innen ein, bevor die von der Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont und der Sparkasse Hameln-Weserbergland bereitgestellten Preise übergeben wurden. Schon bei den Fünft- und Sechstklässlern fiel der Jury die Entscheidung so schwer, dass es zwei dritte Plätze gab. Die 5Ga und die 6Gb belegten diesen dritten Platz und erhielten 100€ für die Klassenkasse. 200€ erhielt mit dem zweiten Platz die Klasse 6Ra, die im Schritte-Wettbewerb eine Strecke von etwa 1.300 km zurücklegte, was einer Strecke von der KGS bis nach San Marino entspricht. Sie setzten fast alle Aufgaben des Aktionspasses um. Den ersten Platz belegte die 5Rc und gewann somit 300€ für die Klassenkasse. Die Schüler*innen haben alle Aktionen durchgeführt und waren vor allem gemeinsam mit ihren Familien sehr aktiv. In der Gruppe der siebten bis neunten Klassen belegte die 7Ra den dritten, die 7Rc den zweiten und die 8Ra den ersten Platz. Auch hier reichten die Klassen sehr viele kreative Ergebnisse vom Bewegungsbingo, über Interviews und Befragungen bis hin zu Fotodokumentationen weiterführender sportlicher Klassenaktivitäten ein. Die Siegerklasse zeichnete sich durch eine hohe Elternaktivität und gemeinsame Klassenaktivitäten aus. Auch die Siegerklasse 11 Gb der zehnten bis zwölften Klassen war mit insgesamt 3.748.674 gesammelten Schritten sehr aktiv. Sie setzte sich zudem in einem Podcast mit einem aktuellen gesellschaftlichen Streitthema, der Debatte um das LGBTQ-Gesetz in Ungarn, auseinander. Die 10 Ga (zweiter Platz) und die 11Ga (dritter Platz) sammelten ebenfalls fleißig Schritte, machten Achtsamkeitsübungen und engagierten sich sozial durch die Unterstützung anderer Menschen bei alltäglichen Aufgaben. Auch die Bestplatzierten der höheren Jahrgänge erhielten Beträge für die Klassenkasse.

Eine weitere Klasse mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters engagierte sich ebenfalls. Sie waren gemeinsam aktiv und engagierten sich im Rahmen des Aktionspasses. Da keine Zuordnung zu den anderen Klassenstufen möglich war, erhielten alle neun Schüler*innen der Klasse DAZ eine kleine Aufmerksamkeit zur Unterstützung der Bewegungsförderung und gesunden Ernährung.

Alle Teilnehmer*innen erhielten mit ihren Zeugnissen eine Urkunde für die Bewerbungsmappe, die bescheinigt, dass die Schüler*innen mit ihrer Teilnahme soziales und gesellschaftliches Engagement gezeigt haben. Diese Urkunden entwickelte die Schülerin Linea Kaiser, wofür sie eine besondere Auszeichnung erhielt.

Das Projekt wurde so gut angenommen, dass es nun weiterentwickelt und perspektivisch auf andere Schulen ausgeweitet werden soll. An der Weiterentwicklung werden die Schüler*innen der KGS Salzhemmendorf mit ihren gesammelten Erfahrungen aktiv beteiligt. „Auch eine pandemieunabhängige Umsetzung des Projektes ist in Zukunft durchaus denkbar. Allerdings brauchen Kinder und Jugendliche nach vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie aktuell möglichst viel Unterstützung, um in einen geregelten und gesunden Alltag zurückzufinden“, erklärt Marc Hoellenriegel von der Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont.

Durch die sozialen Kontaktbeschränkungen blieb der persönliche Kontakt zu Gleichaltrigen aus und auch der Vereinssport konnte nicht stattfinden. Schüler*innen fehlte das Sport-Angebot, weshalb sie sich deutlich weniger bewegten. Die Kontaktbeschränkungen betrafen alle Altersgruppen, allerdings beeinflusst das soziale und gesellschaftliche Miteinander die Jugend so stark in der persönlichen Entwicklung des Einzelnen, wie keine andere Altersgruppe.

Nach Ergebnissen der JuCo-Studie der Bertelsmannstiftung in Zusammenarbeit mit der Goethe Universität Frankfurt am Main und der Universität Hildesheim nahm die Teilnahme an Freizeitaktivitäten, die von Jugendlichen ausgeübt werden konnten um mehr als die Hälfte ab. Das Sportangebot von 60% der befragten Kinder und Jugendlichen brach komplett weg, sodass im November 2020 nur noch 8,4% von vormals knapp 30% der Befragten im Rahmen organisierter Freizeitaktivitäten (z.B. Vereinssport) sportlich aktiv sein konnten. Auch die Angebote der offenen Jugendarbeit konnten nicht mehr in gewohnter Weise in Anspruch genommen werden. Es fehlen Kontakte zu Gleichaltrigen und offene Räume, in denen die Freizeit in sozialen Gefügen verbracht werden kann. Die Ergebnisse der JuCo-Studie zeigen auch, dass sich 64,1% der 15- bis 30-Jährigen psychisch teilweise bis deutlich belastet fühlen, 60% fühlen sich einsam und 68,7% klagen über Zukunftsängste.

Schüler*innen wurden während der Pandemie lange Zeit nur als Lernende wahrgenommen. Andere Belange der Jugend wurden kaum oder gar nicht berücksichtigt. „Diskussionen und Maßnahmen bezüglich des Aufholens von Lernrückständen sind ohne Frage wichtig, aber noch wichtiger ist es, eine physisch und psychisch gesunde und soziale Generation sicherzustellen. Hierzu muss die Jugend gehört werden“, sagt Jacqueline Eigl, Koordinatorin der Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont.