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Chronik und Kreisgeschichte

 

 Erste Erwähnungen

782 Schlacht im Blutbachtal (Süntel)
zwischen Franken und Sachsen während der Sachsenkriege Karls des Großen.
Der Kampf endet mit einer Niederlage der Franken.
um 800 Bei der Neuabgrenzung der fränkischen Gaue (= alte Gebiets- und Verwaltungseinheiten) erstreckt sich der Gau Tilithi flächenmäßig westlich und östlich der Weser von Polle bis Hessisch Oldendorf.
Gründung eines Klosters unweit des Dorfes Hameln.
955 Gründung des Reichsklosters Fischbeck durch König Otto I. (Darstellung der Gründungslegende im Fischbecker Wandteppich von 1583).
Nach dem Wiedererstarken der sächsischen Herzogsmacht im 10. Jahrhundert löst sich der Tilithigau in einzelne Grafschaftsgebiete auf. Die welfischen Herzöge werden später Oberherr aller Grafschaften.

Der Kampf um die Landesherrschaft 1180 – 1409

1180 Nach dem Sturz des mächtigen Welfenherzogs Heinrich der Löwe zerbricht das Herzogtum Sachsen. Kleinere, bis dahin unbedeutende Grafen versuchen jetzt, Macht und Einfluss zu gewinnen.
Die Grafen von Everstein:
Sie sind seit etwa 1100 auf dem Everstein bei Polle ansässig. Sie gründen die Stadt Holzminden und bauen von dort bis Hameln ihren Herrschaftsbereich aus (Besitz der Erbvogtei über das Stift und die Stadt Hameln. Burgenbesitz in Aerzen, Ohsen, Hämelschenburg, Polle und Ottenstein). Ihr Wappentier, der aufrecht schreitende, gekrönte Löwe, findet sich im Wappen des Landkreises Hameln-Pyrmont wieder.
Die Edelherren von Homburg:
Sie besitzen die Homburg über Stadtoldendorf und die Burg Lauenstein und begründen die Stadt Bodenwerder. Daneben versuchen die Edlen Herren zur Lippe, die Grafen von Hallermund, die Schaumburger und Spiegelberger Grafen ihren Machtbereich auszuweiten. Durch Waldrodungen entstehen zahlreiche Dörfer (ursprüngliche Bauernsiedlungen – die Bauern sind der einzige Erwerbsstand in dieser Zeit).
um 1200 Hameln wird als Stadt erstmals urkundlich erwähnt.
1235 Der Stammbesitz Heinrichs des Löwen wird wieder zu einem Reichsfürstentum erhoben.
1260 Die welfischen Herzöge gewinnen in der Schlacht bei Sedemünder (heutige Wüstung nahe der Deisterpforte) die Stadt Hameln im Kampf gegen den Bischof von Minden und die Grafen von Everstein.
26.06.1284 Der „Auszug der Hämelschen Kinder“ findet statt (worauf die Rattenfängersage beruht).
Die wahrscheinlichste Deutung ist die damals übliche Anwerbung von Hamelner Bürgern („Kindern“ der Stadt) für die Besiedlung der ostländischen Gebiete wie Pommern, Schlesien und Mähren – vor allem durch den Grafen von Schaumburg.
1316 Die Spiegelberger Grafen gründen das Karmeliterkloster Marienau. Alljährlich erinnert man sich bei der Feier des Wittmusfestes an die Ausgabe von „weißem Mus“ (Haferbrei) durch die Mönche des Klosters an andere arme Mönche und Pilger.
1404-1409 Im Eversteinischen Erbfolgekrieg verlieren die Homburger und Eversteiner Grafen ihren Besitz an die Welfen und somit ihre Machtstellung im Weserraum.

Unter welfischer Herrschaft 1410 – 1635

nach 1409 Die Welfen teilen ihr Land in die Herzogtümer Braunschweig und Lüneburg.
Sie verpfänden die Burg Everstein und Hameln an den Hildesheimer Bischof.
1426-1572 Hameln wird Mitglied im Handelsverband der Hanse.
1494 Das Pyrmonter Grafengeschlecht stirbt aus.
1495 Durch die vielen Teilungen entsteht das Land Calenberg (benannt nach dem von den Welfen 1290 erbauten Schloss auf hildesheimischem Gebiet).
1518-1521 Als Herzog Erich von Lüneburg den Bischof von Hildesheim vergeblich um die Einlösung der Großen Pfandschaft bittet (unter anderem geht es dabei um den Besitz von Lauenstein und Aerzen), kommt es zur Hildesheimer Stiftsfehde, die der Bischof nach blutigen Kämpfen verliert.
1523 Hameln, Bodenwerder, die Ämter Aerzen, Lauenstein, Grohnde und die „Goe auf der Hamel“ (= Siedlungs- und Gerichtsbezirk auf dem Eichberg bei Klein-Hilligsfeld) werden dem Herzogtum Calenberg angegliedert.
Die wirtschaftliche Lage und die soziale Stellung des Bauernstandes verbessern sich in den darauffolgenden Jahren, der Weserraum wird wieder ein geschlossenes Gebiet.
Das Handwerk breitet sich aus und mit der Salzgewinnung in Salzhemmendorf und dem Abbau der Steinkohle in Osterwald (1587) beginnt eine erste industrielle Tätigkeit.
1540 Nach dem Tod des Calenberger Herzogs Erich beginnt dessen protestantische Frau Elisabeth mit der Durchführung der Reformation, die ihr Sohn Erich II. später wieder rückgängig zu machen versucht.
1556/57 Beim „Pyrmonter Wundergeläuf“ erhoffen sich Tausende von Menschen Gesundheit und Heilung an den Quellen.
Winter 1559/60 Der Brauch der Ausgabe von Neujahrsstuten in Coppenbrügge und Brünnighausen an Kinder geht auf diesen Winter zurück.
Die Legende berichtet, dass mehrere Kinder, die im Coppenbrügger Schloss um Brot bitten wollen, auf dem Weg dorthin in einem Schneesturm umkommen. Die Gräfin von Spiegelberg verfügt daraufhin, jedes Jahr genügend Mehl zur Versorgung der Kinder zur Verfügung zu stellen.
1584 Mit dem Tod Erichs II. fällt die calenbergische Linie des Welfenhauses an Braunschweig-Lüneburg.
Die Ämter werden in den folgenden Jahren zu Mittelpunkten der Verwaltung (die Tendenz gibt es schon seit dem 15. Jahrhundert) und treten an die Stelle der im Pfandbesitz vergebenen Burgen Ohsen, Grohnde, Aerzen, Polle, Lauenstein und Coppenbrügge. Sie sind in den Burgen mit den prächtigen Amtshäusern untergebracht.

Die Zeit der großen Kriege 1618 – 1815

ab 1625 Niedersachsen hat die Hauptlast des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu tragen.
Der braunschweigische Herzog Christian („Der tolle Christian“) fühlt sich als Vorkämpfer für die evangelische Sache und zieht damit die kaiserlichen Truppen unter Tilly nach Norddeutschland. Plünderungen, Ausbeutung und Landverwüstung durch seine Soldaten folgen.
Der protestantische König Christian von Dänemark greift in den Kampf ein und rückt bis Hameln gegen Tilly vor, das er jedoch nach einem schweren Sturz mit seinem Pferd bald wieder räumt.
1633 In der Schlacht von Hessisch Oldendorf besiegen Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg und die verbündeten Schweden das katholische Heer, das Hameln belagert hat.
Als Dank für seine Kriegsdienste erhält der Herzog, der seine Residenz in Hannover hat, Calenberg.
1640 Nach dem Aussterben der Schaumburger Grafen wird die Grafschaft geteilt:
Es entstehen die hessische Grafschaft Schaumburg (mit Rinteln und Hessisch Oldendorf) und die Grafschaft Schaumburg-Lippe (mit Bückeburg und Stadthagen).
Nach dem Dreißigjährigen Krieg bildet sich eine Ämterverfassung heraus:
Die Ämter werden nicht mehr verpfändet, sondern verpachtet. Man trennt die Gutshaushalte von der Verwaltung. In der Amtsstube übt der Amtmann in den Dörfern Rechtsprechung und Verwaltung aus. Neben der Landwirtschaft als Grundlage des Erwerbslebens entwickeln sich die Glashütte Osterwald, die Töpferei in Brünnighausen, Papiermühlen in Hemeringen, Lauenstein und Polle, Leineweberei in Großenberg, Polle und Baarsen sowie die Schifferei in Heinsen, Polle und Bodenwerder.
1660 Man beginnt mit dem Ausbau der Hamelner Festung.
seit 1690 Durch Flüchtlinge aus Frankreich (Hugenotten) wird das Hamelner Wirtschaftsleben bereichert.
1692 Hannover wird unter Ernst August Kurfürstentum.
Die Kurfürsten sind zur Wahl des Königs berechtigt und haben jeweils ein Erzamt (Hofamt) inne.
1714-1837 Die Personalunion zwischen Hannover und England besteht.
Nach dem Tod der englischen Königin Anna 1714 wird der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig als Georg I. König von England. Seine Mutter (die ebenfalls 1714 stirbt), Kurfürstin Sophie, war eine Enkelin König Jakobs I. von England. Sie war 1701 zur Erbin des englischen Throns bestimmt worden.
1731/32 Die sogenannten "Salzburger" siedeln sich am Osterwald oberhalb von Dörpe und Marienau an: Sie kommen eigentlich aus Berchtesgaden, von wo sie wegen ihres evangelischen Glaubens vor dem Salzburger Bischof fliehen müssen.
1734 Man baut die erste Weserschleuse in Hameln zur Überwindung des berüchtigten „Hamelner Lochs“ auf dem Werder (= enger Durchlass am stadtseitigen Weserufer, der ein gefährliches Hindernis für die Schiffe bildet und ein Umladen der Waren erforderlich macht).
um 1750 Der Schlossgarten von Schwöbber ist einer der ersten englischen Gärten auf dem europäischen Festland. Otto von Münchhausen hatte in seiner exotischen Pflanzensammlung bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts (als wahrscheinlich gilt das Jahr 1689) auf Schwöbber Ananaskulturen angebaut.
26.7.1757 Die Schlacht bei Hastenbeck findet statt. Sie ist die seltsamste des Siebenjährigen Krieges (1756-63), in dem es um den Machtkampf zwischen England und Frankreich geht. Niemand weiß, wer Sieger oder Besiegter ist.
Als der Herzog von Cumberland als Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte aus Hannoveranern, Bückeburgern, Hessen und Braunschweigern die Schlacht irrtümlich verloren glaubt, gibt er das Schlachtfeld und die Festung Hameln preis. Die schon auf dem Rückweg befindlichen Franzosen erkennen den Irrtum zuerst und können so die Schlacht für sich entscheiden.
1761/63 - 1777/84 Die Neuanlage der Klütfestung findet mit 3 starken Forts unter Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe statt. Sie soll die Festungsanlage, die sich in Form eines sternförmig angelegten Befestigungsgürtels um die Altstadt zieht, ergänzen (Hameln gilt als das „Gibraltar des Nordens“).
1803 Hannover und Hameln werden von den Franzosen besetzt. Napoleon will den ganzen Kontinent unterwerfen, daraufhin erklärt England 1803 Frankreich den Krieg. Ein französisches Regiment besetzt Stadt und Festung Hameln. Die hannoverschen Truppen werden aufgelöst, das Kurfürstentum abgeschafft.
In der daraufhin gebildeten „Deutschen Legion“ kämpfen jedoch Hannoveraner unter englischem Oberbefehl, vor allem in Portugal und Spanien, gegen die französischen Unterdrücker.
1806 Hannover wird von preußischen Truppen besetzt, bis die Festung Hameln kapitulieren muss und Hannover bis Ende 1813 wieder durch die Franzosen besetzt wird.
1807 Man führt ein neues Verwaltungssystem nach französischem Vorbild ein und schafft das Königreich Westfalen, dem Hessen, das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, die Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen und das Fürstentum Calenberg angehören.
Januar 1808 Napoleon ordnet eine vollständige Schleifung der Festung Hameln an, die innerhalb eines halben Jahres durchgeführt wird.
Ende 1813 Die Franzosen werden besiegt und die alten hannoverschen Verhältnisse wiederhergestellt. An die Befreiungskriege gegen Frankreich erinnert die alle vier Jahre stattfindende „Schlacht am Hemeringer Berg“.

Auf dem Weg zum preußischen Kreis Hameln

1815 Hannover wird unter Georg IV. Königreich.
1819 Georg IV. kauft vom Haus Nassau-Oranien die Grafschaft Spiegelberg, die zum neuen hannoverschen Amt Coppenbrügge wird.
1823 Man löst einige kleinere Ämter auf. Ohsen kommt zum Amt Grohnde, die Ämter Lachem und Aerzen bilden mit der Hamelner Stadtvogtei ein neues Amt Hameln. Die Patrimonialgerichtsbarkeit der Güter Hastenbeck und Ohr wird abgeschafft. Die mit den Ämtern verbundenen Gutshöfe werden als Domänen selbständig. Die Ämter als unterste Verwaltungsbehörden werden den neu eingerichteten Landdrosteien unterstellt (spätere Regierungsbezirke).
Das Hamelner Gebiet gehört zur Königlichen Landdrostei Hannover.
1833 Die Bauern sollen durch die Hannoversche Ablösungsordnung von den verschiedenen Dienstbarkeiten, die auf ihrem Besitz liegen, befreit werden (Ablösung der Hand- und Spanndienste, der Zehntabgaben und sonstiger Naturalleistungen). Das dazu erforderliche Kapital leihen sie sich bei Kreditinstituten (1840 gründet sich zu diesem Zweck die Hannoversche Landeskreditanstalt). An die schnelle Durchführung der Ablösung erinnert das 1834 erbaute Zehntablösungsdenkmal bei Grupenhagen. Mit der Durchführung der Ablösungen verstärkt sich in den Gemeinden das Bedürfnis, die Hude- und Weideberechtigungen sowie die Forst- und Jagdverhältnisse zu regeln. Es kommt zu einer Generalbereinigung der Feldfluren („Verkoppelung“, Gesetz von 1842).
In den folgenden Jahren erwacht im Rahmen der Verkoppelung landwirtschaftliches Interesse, man betreibt eine intensivere Ackernutzung, meidet die Dreifelderwirtschaft und den Flurzwang, legt kleinere Ackerparzellen zu größeren, legt moderne Bodenkulturen mit Düngung an und pflegt die Gemeindewege. Das aufgrund der Teilungen und Verkoppelungen reichhaltig angefallene Kartenmaterial bildet den Grundstock für das 1876 eingerichtete Katasteramt Hameln.
Professor Ernst Rudorff (1840-1916), „Lauensteins berühmter Sohn“, in dessen Besitz sich die Knabenburg in Lauenstein befindet, erkennt die Gefahren der Landschaftsverödung durch rücksichtslose Verkoppelung und Industrialisierung: Aus diesem Grund setzt er sich für die Erhaltung von Natur und Landschaft ein. Er gilt als Begründer der Heimat- und Naturschutzbewegung in Deutschland. Auf Initiative Rudorffs wird 1904 in Dresden der „Deutsche Bund Heimatschutz“ gegründet.
1852 Mit der Einrichtung der Amtsgerichte wird die Trennung zwischen Justiz und Verwaltung vollzogen. Amtsgerichte entstehen in Hameln, Grohnde, Polle, Coppenbrügge und Lauenstein.
1859 Eine weitere Vereinfachung der Ämterorganisation findet statt, als man das Amt Grohnde zum Amt Hameln legt und das Amt Coppenbrügge zum Amt Lauenstein.
1866 Hannover wird durch Preußen annektiert und hört als Königreich auf zu existieren. Die neue preußische Regierung lässt die Ämter Hameln, Polle und Lauenstein bestehen, trennt jedoch die Militär- und Steuersachen von den Ämtern ab.
Für die drei Ämter und die Städte Hameln und Bodenwerder wird eine eigene Behörde eingerichtet, der „Kreis Hameln“. So wird die Stadt Hameln nach fast 600 Jahren welfischer Oberhoheit selbständige Stadt.
1867 Preußen und Waldeck schließen den Akzessionsvertrag ab, durch den Preußen praktisch die Verwaltung Waldecks übernimmt.
1871 Die Zunahme der Industrialisierung bringt zunächst einen Rückschlag, da die heimische Schurwolle aufgrund der Baumwolleinfuhr nicht mehr gefragt ist, Spinnräder und Webstühle werden stillgelegt.
1872 Die Eisenbahnstrecke Hannover-Hameln-Altenbeken wird eröffnet.
1875 Die Eisenbahnstrecke Hildesheim-Hameln-Löhne wird eröffnet.
1897 Die Eisenbahnstrecke Hameln-Lage wird eröffnet.
1.4.1885 Die alte hannoversche Ämterverfassung endet mit dem Inkrafttreten der Kreisordnung für die preußische Provinz Hannover: Der Kreis Hameln entsteht als neuer preußischer Verwaltungskreis aus den Städten Hameln und Bodenwerder und den Ämtern Hameln, Polle und Lauenstein. Die neue Ordnung zielt auf eine bewusstere Selbstverwaltung der Gemeinden und Kreise: Der Kreis ist zugleich staatlicher Verwaltungsbezirk und selbständiger Kommunalverband. Die Dörfer erhalten eine eigene Gemeindeverwaltung mit Gemeindevorsteher, Rechnungsführer und Gemeindeausschuss.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts Die Anfänge der Hamelner Teppichindustrie setzen ein, es entstehen Molkereien in Börry, Grupenhagen, Hameln, Wallensen und Coppenbrügge. Der Straßenausbau und die Stromversorgung beginnen. 1899 wird die Valentinibrücke bei Kirchohsen fertiggestellt. Fremdenverkehr setzt ein. In Salzhemmendorf beginnt der Kalk- und Dolomitgesteinsabbau, in Afferde Kies- und Sandabbau, in Thüste entsteht die Brikettfabrik. 1910 wird die Kreissparkasse Hameln gegründet, die in das Fachwerkhaus neben dem Landratsamt am Pferdemarkt in Hameln zieht.
1914 bis 1918 Der Erste Weltkrieg wütet. Er fordert nicht nur seine Opfer auf den Schlachtfeldern, sondern auch unter der Bevölkerung: Fast 1900 Männer aus dem Kreis Hameln fallen in diesem Krieg. Die Wirtschaft erleidet eine Rezession – Inflation und Arbeitslosigkeit sind die Folge.

Die Zeit zwischen den Weltkriegen

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Der Kaiser und die Fürsten müssen abdanken, die Monarchie wird abgeschafft. Die Finanzämter sind ab sofort für die steuerliche Veranlagung der Dörfer zuständig, die bislang die Gemeindevorsteher und der Kreis durchgeführt haben.
1.4.1922 Unter dem Landrat Dr. Loeb-Caldenhof wird der waldeckische Gebietsteil Pyrmont in den preußischen Kreis Hameln eingegliedert. Preußen fördert die Entwicklung des Staatsbades Pyrmont. Im gleichen Jahr wird die Eingemeindung Rohrsens in die Stadt Hameln durchgeführt.
1923 Hameln scheidet aus dem Kreisverband aus und bildet einen eigenen Stadtkreis .
In den folgenden Jahren wird eine wirksame Gesundheitsfürsorge durch das Staatliche Gesundheitsamt, das Kreiswohlfahrtsamt und die Vaterländischen Frauenvereine durchgeführt.
Der Verband der Vaterländischen Frauenvereine und das Kreiswohlfahrtsamt geben 1923 erstmalig den „Klüt“ heraus, einen Heimatkalender des Kreises, der bis 1966 erscheint.
Im gleichen Jahr wird die Berufsschulpflicht im Kreis Hameln eingeführt.
1924 Der Neubau der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in der Sedanstraße in Hameln, die als Landwirtschaftliche Kreiswinterschule bereits seit 1902 besteht, beginnt.
1928/29 Anstelle des Fachwerkhauses am Landratsamt wird ein Neubau errichtet. Der Kreis und die Gemeinden erhalten neue Wappen.
1930 Der neue Kreistagssaal im Hamelner Landratsamt wird eingeweiht. Auf den bunten Glasfenstern sind Bilder und Wappen der kreisangehörigen Gemeinden zu sehen. Bis zum Abriss des alten Kreishauses am Pferdemarkt bleibt der historische Kreistagssaal in seiner ursprünglichen Form erhalten.

Dunkle Zeiten (1933-1945)

30.1.1933 Hitler wird zum Reichskanzler ernannt.
Ab Februar 1933 Die kommunalen Vertretungskörperschaften werden als Folge der nationalsozialistischen Machtübernahme aufgelöst.
19.4.1933 Der Hamelner Landrat Dr. Richard Loeb-Caldenhof (seit 1919 Landrat) wird beurlaubt.
Juli 1933 Der Kreistag Hameln-Pyrmont wird aufgelöst und die Aufgaben des Kreisausschusses beschnitten.
1933 bis 1937 Alljährlich finden auf dem Bückeberg bei Hameln die „Reichserntedankfeste“ statt, die neben dem Reichsparteitag in Nürnberg die größte regelmässig stattfindende Massenveranstaltung der Nationalsozialisten sind.
9.11.1938 In der „Reichskristallnacht“ wird die Synagoge der jüdischen Gemeinde in der Bürenstraße in Hameln zerstört (errichtet 1879).
1941 Die Stadt Bodenwerder und die Gemeinde Pegestorf werden dem Kreis Holzminden zugeordnet.
Göring gründet in Salzgitter die „Reichswerke“ und gliedert das Gebiet aus dem Land Braunschweig aus. Im Ringtausch kommt der Kreis Holzminden zur Provinz Hannover, das Amt Polle wechselt vom Kreis Hameln-Pyrmont zum Kreis Holzminden, der preußische Stadt- und Landkreis Goslar wird braunschweigisch.
Ab 1943 Bombengeschwader überfliegen auf ihren Flügen nach Berlin und anderen Zielen den Landkreis. 
Ab Herbst 1944 Feindliche Tiefflieger greifen Menschen, Tiere, Züge und Schiffe auch tagsüber an.
14.3.1945 Ein schwerer Luftangriff findet auf den Hamelner Bahnhof und seine Umgebung statt, bei dem 177 Menschen den Tod finden.
4.4.1945 Von Westen her rücken amerikanische Truppen auf Hameln und die Weser zu, daraufhin erfolgt die eigene Sprengung sämtlicher Weserbrücken. Das Hamelner Rathaus, die Marktkirche und die Werdermühle werden zerstört.
7.4.1945 Die Stadt Hameln wird den Amerikanern übergeben.

Wiederaufbau und Neuanfang

Nach 1945 Die Einwohnerzahl des Kreises steigt aufgrund der Flüchtlinge und Vertriebenen von rund 50.000 vor dem Krieg auf über 100.000 Einwohner. Wohnraumnot und Arbeitslosigkeit sind drängende Probleme, die der Kreis in den folgenden Jahren lösen muss.
Die Militärregierung beruft Ende Mai 1945 Dr. Kreibaum aus Bad Münder zum kommissarischen Landrat, ihm folgt im Juli Landrat Mertens. Stellung und Aufgabenbereich des Landrats und der Kreisverwaltung werden vollständig geändert. So gehen alle staatlichen Verwaltungsaufgaben als Auftragsangelegenheiten auf den Oberkreisdirektor und den Kreistag über.
Nach dem Prinzip der Zweigleisigkeit – der aus dem angelsächsischen System übernommenen sogenannten Doppelspitze – wird der Landrat als politischer Repräsentant vom Kreistag gewählt, während der Oberkreisdirektor als Wahlbeamter an der Spitze der Kreisverwaltung steht.
1969/70 Die Hamelner Altstadtsanierung setzt ein.
20.11.1972 Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Hameln wird die Niedersächsische Verwaltungs- und Gebietsreform durchgeführt.
1973 Die Stadt Hameln wird nach 50 Jahren Kreisfreiheit als Große Selbständige Stadt wieder in den Landkreis eingegliedert. Der Flecken Aerzen, der Flecken Coppenbrügge (mit den drei Gemeinden Bessingen, Bisperode und Harderode des Landkreises Holzminden), der Flecken Salzhemmendorf und die Gemeinde Emmerthal werden gebildet. Die Landgemeinden Hemeringen und Lachem werden mit der zum Landkreis Grafschaft Schaumburg gehörenden Stadt Hessisch Oldendorf zusammengeschlossen.
1.3.1974 Die Gemeinde Weenzen wird als Teil der Samtgemeinde Duingen in den Landkreis Alfeld eingegliedert (1977 kommt Duingen zum Landkreis Holzminden und wird 1981 in den Landkreis Hildesheim umgegliedert). Nach Auflösung des Landkreises Springe vergrößert sich der Landkreis Hameln-Pyrmont um die Stadt Bad Münder.
1.8.1977 Die Stadt Hessisch Oldendorf wird nach Auflösung des Landkreises Grafschaft Schaumburg in den Landkreis Hameln-Pyrmont eingegliedert. Seitdem besteht der Landkreis Hameln-Pyrmont aus den vier Städten Hameln, Bad Münder, Bad Pyrmont und Hessisch Oldendorf sowie der Gemeinde Emmerthal und den Flecken Aerzen, Coppenbrügge und Salzhemmendorf. Hameln-Pyrmont bildet jetzt eine räumlich abgerundete, funktionstüchtige Gebietskörperschaft.
1985 Der Landkreis Hameln-Pyrmont feiert sein 100-Jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen im gesamten Kreisgebiet.
Ende 1996 Das Niedersächsische Kommunalwahlrecht wird novelliert. Nach dem neuen Gesetz gibt es keinen Oberkreisdirektor mehr. Seine Aufgaben und die des ehrenamtlichen Landrates werden im Amt des neuen hauptamtlichen Landrates zusammengeführt. Damit gibt auch Niedersachsen die nach angelsächsischem System eingeführte Doppelspitze auf.
2004 Zum ersten Mal wird im Landkreis Hameln-Pyrmont ein hauptamtlicher Landrat gewählt.
30.8.2005

Rüdiger Butte wird im Kreistag als erster hauptamtlicher Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont vereidigt. Er ist damit Chef der Kreisverwaltung und gleichzeitig auch oberster Repräsentant des Landkreises Hameln-Pyrmont.

Am 6.5.2006

Einweihung des neuen Kreishauses an der Süntelstraße mit einem Tag der Offenen Tür. Nach gut zweijähriger Bauzeit sind 350 Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von sechs dezentralen Standorten in der Stadt Hameln in das neue Kreishaus an der Süntelstraße umgezogen. Die historischen Glasfenster aus dem alten Kreistagssaal am Pferdemarkt schmücken nun das Foyer des Großen Sitzungsaals im Neuen Kreishaus.

3.6.2010

Festakt anlässlich des 125-Jährigen Bestehens des Landkreises Hameln-Pyrmont im Weserbergland-Zentrum in Hameln mit rund 300 geladenen Gästen samt „Kreis-Symphonie“.

26.4.2013

Landrat Rüdiger Butte wird während der Dienstzeit in seinem Büro im Kreishaus erschossen.

8.5.2013

Über 1000 Menschen nehmen bei einer bewegenden Trauerfeier im Hamelner Theater Abschied von dem getöteten Landrat.

10.10.2013

Tjark Bartels wird nach Annahme der Wahl neuer Landrat in Hameln-Pyrmont; sein erster Arbeitstag im Kreishaus ist der 20. Oktober 2013.